Alte Schule Kraudorf

In der kleinen Pfarrgemeinde Kraudorf muss es wohl schon früh eine Schule gegeben haben. Auf dem Friedhof steht noch ein Grabstein von einem Georg Roelen, auf dem vermerkt ist: geboren 1710, gestorben 1767 , Beruf Küster und Schulmeister.

Nachweislich wurde 1809 die Schule am Verkesberg aufgestockt. Der Fachwerkbau war auf einer ziemlich breiten und massiven Mauer aufgesetzt. Nach außen war dieser Aufbau bündig, während innerhalb des Gebäudes ein Absatz war, so dass die Kinder ihre Tafeln und Bücher darauf legen konnten.

 

Bei der Erstellung dieser Aufstockung mussten 30 Männer den Hauptbalken herbeitragen, so schwer war er. Auf dem Balken saß bei dieser Zeremonie der Zimmermeister. Die Schule war mit 500 Reichstalern versichert und musste von der Gemeinde unterhalten werden. In dieser einklassischen  Schule sollen bis zu 120 Kinder gewesen sein. Mehrere geistliche Berufe gingen aus ihr hervor. Schließlich sah die zuständige Schulbehörde ein, dass dieser Zustand nicht zu verantworten sei und verlangte dann, eine größere Schule zu bauen, die dann 1896 in Betrieb genommen wurde. Im Jahre 1930 wurde dieses Gebäude erweitert, so dass es von da an zwei Klassen gab und dazu  noch eine Lehrerfamilie darin wohnen konnte.

 

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Mit Ausnahme von Sonn- und Feiertagen, und dazu gehörte auch Kaisers Geburtstag, trugen die Kinder immer nur Holzschuhe (Klompen). Wenn sie zur Kirche kamen, mussten sie die Schuhe hinten in der Kirche stehen lassen. Für sie gab es keine Bänke. Sie mussten sich vorne vor dem Altar auf dem Boden knien. Dort lagen wohl einige große Bretter, die sie während der Predigt als Sitzgelegenheit benutzen durften. Erst eine Haushälterin des früheren Pastors Maaßen, der 1950 zurücktrat, stiftete die späteren Kinderbänke.

 

Eine Frau Baronin von Schloss Leerodt machte den Kindern am Ende des vorigen Jahrhunderts oft eine Freude. In der Weihnachtszeit durften sie zum Schloss kommen und den Weihnachtsbaum bewundern. So etwas gab es damals kaum. Die Erstkommunionkinder durften tags nach dem Weißen Sonntag auch zum Schloss kommen. Sie bekamen dort etwas vorgesetzt und die Frau Baronin schenkte jedem Heiligenbildchen. Dann ging es nach draußen zum Wassergraben , der um das Schloss lag. Die Kinder wurden dann auf dem Kahn mehrmals um das Schloss gefahren.

 

zitiert aus: „Die Kinder von Kraudorf vor vielen Jahrzehnten“ von Pfarrer Derichs /Archiv der Stadt Geilenkirchen